...

T. sagt, sie könne dieses Gefasel von wegen arm aber sexy nicht mehr ertragen, Berlin sei nervig und scheiße (so hat sie sich nicht ausgedrückt, aber ich fasse das mal so zusammen), und ganz besonders beschissen sei noch die rasende Unhöflichkeit. Ja, stimmt. T. hat sich jetzt erstmal vorübergehend nach Dublin abgesetzt, und ich habe beim letzten Besuch in Frankfurt ganz kurz den Gedanken zugelassen, wie es wohl wäre, hier wieder zu wohnen. Also nicht in der Vorstadt meiner Kindheit und Jugend, sondern in einem der schöneren Stadtteile (in Frankfurt sagt man nicht Bezirk, sondern Stadtteil) in der Innenstadt. Ja, schön ist es da ja, und da sind auch so schöne Geschäfte, in denen man richtiges Brot kaufen kann oder frisch gerösteten Kaffee oder Mettwurst aus der Rhön oder Bücher oder was auch immer, und dabei auch noch freundlich behandelt wird und sich nicht zu rechtfertigen braucht (O-Ton Verkäufer: "Ach, geben Sie mal das Kleingeld her, muss ich eben ein bisschen Kopfrechnen, schadet mir ja nichts. Schönes Wochenende!"). Das ist wunderbar, menschlich irgendwie, so schön normal und so wahnsinnig anders als in Berlin, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass es in Berlin auch die ein oder andere Ecke gibt, in der das ein bisschen anders aussieht. Im vergangenen Herbst musste ich aus dringendem Anlass mal nach Kladow, da scheinen die Menschen auch ein anderes Verhältnis zu Freundlichkeit und Hundekacke (gähn) zu haben als hier in unserer finsteren Ecke. Allerdings haben die da auch Kohle, Vorgärten und Wassergrundstücke (eben aus versehen "Wassergrundtücke" geschrieben, was das ansonsten eher einfallslose Rechtschreibprogramm nicht als falsch markiert hat!) und eine Butter-Lindner-Filiale, ja, bla. Zurück zu Frankfurt. 1,5 Tage bin ich also mit dem Gedanken herumgelaufen, wie es wäre, wieder dort zu leben, und dann habe ich diese verdammte Schnöseligkeit nicht mehr ausgehalten, diese Anzugpenner überall, die in der schnuckeligen Kaffeerösterei im Weg rumstehen, um sich ihren mittäglichen Espresso hinter die Binde zu kippen, Typen, die jünger sind als ich! Diese großkotzige Bürgerlichkeit, die so wahnsinnig bescheiden daherkommt und sich in riesigen Stadtwohnungen aufhält, für deren Miete man in Berlin mindestens fünf ebenso große Wohnungen bekommen kann, dieses provinzielle, sich andauernd rechtfertigende Großstadtgetue (siehe z.B. hier oder hier)
Dann nervt Berlin halt, meine Güte.

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